Warum man über strickende Männer bloggt oder: das ist doch alles Masche

Lutz Staacke, Blogger, München


Lutz, zunächst die wohl naheliegendste Frage: warum ein Strickblog für Männer?

Ich habe den Anspruch, dass mehr und mehr Männer stricken. Und sich dazu bekennen. Es gibt viel mehr strickende Männer als man denkt und die Dunkelziffer hier ist enorm. Und das ist schade, da Stricken ein tolles Hobby ist. Daher möchte ich dem strickenden Mann ein Gesicht geben, so dass sich mehr Männer zum Stricken bekennen.

Hast du denn heute schon gestrickt?

Ja, im Zug. Ich brauche etwa 1,5 Stunden von Daheim bis zum Büro. Und eine Dreiviertelstunde davon sitze ich im Zug und dabei kann ich wunderbar stricken.

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© Lutz Staacke

Wie setzt sich denn deine mittlerweile recht große Leserschaft zusammen? Sind das eher Männer oder Frauen, die auf der Suche nach Strick-Inspiration für ihre Männer sind?

Das ist total gemischt. Ich freue mich über jeden Mann, der mir folgt und sagt: „Durch dich habe ich mit dem Stricken angefangen.“ oder „Ich habe gesehen, dass Stricken gar nicht so schlimm ist.“. Ich weiß aber, dass das Fifty-Fifty ist vom Geschlecht. Und das sind auch gar nicht nur Frauen, die für Ihre Männer stricken möchten, sondern schön finden, was ich poste. Wenn ich zum Beispiel über eine kostenlose Anleitung für einen Damenschal stolpere und die teile, dann freuen sie sich natürlich auch.

©Lutz Staacke

Du arbeitest als Community Manager und bist wohl das, was man einen Digital Native nennt. Inwieweit hat dir deine Erfahrung bei digitalen Gemeinschaften für deinen Blog geholfen?

Ich denke das Wichtigste ist, dass man mit seinen Fans und Lesern redet. Also nicht einfach Inhalte rauspushen und schauen, dass dir die Menschen aus der Hand fressen. So funktioniert das nicht.

Ein gutes Beispiel ist Instagram: als ich mit dem Blog angefangen habe, habe ich mir auf Instagram einen Account besorgt. Und geschaut was es unter dem #maleknitting gab. Und es gab nichts. Jedes Mal, wenn ich also etwas gestrickt habe und ein Foto davon gepostet habe, habe ich den #maleknitting benutzt. Dann habe ich die Bibliothek nach „knitting“ durchsucht und wenn ich Stickbilder von einem anderen Mann entdeckt habe, dann habe ich ihn angeschrieben und gesagt: „Hey, lass uns doch den #maleknitting gemeinsam verwenden, dann können wir uns vernetzen und unsere Strickprojekte miteinander teilen.“. Am Anfang waren ca. 80% der Bilder unter dem Hashtag von mir, aber das hat sich mittlerweile deutlich verändert, da der Hashtag in der Community jetzt angekommen ist.

Wir sind die, die in der Fussballkneipe unter dem Fernseher sitzen und stricken.

Du sagst, mit der Community zu kommunizieren sei wichtig: ihr trefft euch auch regelmäßig zu Strick-Events, richtig?

Genau, das sind Strickabende für Männer. Die machen wir mittlerweile in drei Städten: in Köln, Frankfurt und hier in München. In München hat es angefangen, weil es für mich hier leichter war das zu organisieren. Und jetzt treffen wir uns einmal im Monat. Die anderen treffen sich in einem Strickladen und in München gehen wir in eine -wie man in Bayern sagt- Boazn: eine kleine gemütliche Fußballkneipe.

…mit strickenden Männern.

Haha, absolut! Wir sitzen aber meist unter dem Fernseher, wenn ein Spiel läuft.

Außerdem bist du Mitorganisator des YarnCamps in Frankfurt.

Genau, ich war in den letzten zwei Jahren sehr involviert, muss dieses Jahr aber leider etwas zurückgehen, da ich beruflich sehr eingespannt bin zur Zeit. Aber natürlich werde ich das YarnCamp weiter so gut es geht unterstützen.

Wer kommt dort zusammen?

In erster Linie Strickbegeisterte aber ich auch DIY-Begeisterte, da wir das Camp weiter thematisch öffnen möchten. Wenn jemand gerne näht und sein Spinnrad mitbringen möchte, dann ist er oder sie herzlich willkommen. Wir möchten Menschen, die sonst vielleicht im stillen Kämmerchen stricken oder nähen oder häkeln oder oder oder, eine Möglichkeit geben, sich mit anderen auszutauschen.

Im Januar ist dein Buch „MALEKNITTING – HANDFESTE STRICKPROJEKTE FÜR ECHTE KERLE“ erschienen. Wie ist es dazu gekommen und hat sich das komisch angefühlt, für dich als Online-Nerd, ein Buch in der Offlinewelt herauszubringen?

Eigentlich gar nicht. Denn ich hatte mich damals, als ich mit dem Stricken und maleknitting.de angefangen habe, dafür entschieden etwas Handfestes zu machen. Und das ist das Schöne am Stricken: du erschaffst etwas, das du anfassen und nutzen kannst. Als mich dann vor ca. 2 Jahren der Edition Michael Fischer Verlag gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, ein Buch hierzu zu schreiben, habe ich gesagt: „Ja, aber ich habe noch nie eine Anleitung geschrieben.“. Also habe ich angefangen, mich einzuarbeiten und mir zu überlegen welche Projekte ich dafür machen kann. Und jetzt ist es ein schönes Gefühl, wenn du am Ende ein Produkt in deiner Hand hältst, an dem du lange gearbeitet hast.

©Lutz Staacke

Es gibt in deinem Buch eine Anleitung für eine Tablet-Hülle namens „Marvin“, die ich persönlich sehr feiere. Was würdest du mir als einem absoluten Erststricker, der noch nie Nadeln in der Hand hatte, raten, wenn ich mich an „Marvin“ selbst versuchen möchte?

Ich lege immer sehr viel Wert darauf, dass du mit einfachen Sachen schöne Dinge machen kannst. Und bei „Marvin“ sind es im Grunde nur rechte Maschen. Und wenn du die kannst, dann kannst du auch „Marvin“ stricken.

Viele glauben immer, dass man total fancy stricken können muss, und abgefahrene Nadelschwingungen übertragen muss, damit schöne Sachen entstehen. Aber wenn du mit Farbe arbeitest und mit abwechselnden einfachen Mustern, dann kannst du etwas Tolles daraus machen. Und das ist bei „Marvin“ das Schöne.

Was waren denn so deine Fail und Win Momente auf Maleknitting?

Fail: ich probiere regelmäßig neue Dinge auf dem Blog aus, zum Beispiel neue Plug Ins oder einen Newsletter etc. Oder auch Partnerlinks von Amazon. Und hier habe ich gemerkt, dass die bei mir überhaupt nicht funktionieren. Aber das ist dann auch ok.

Win: was mich immer sehr freut ist, wenn mir Leser schreiben, dass sie meine Projekte nachgestrickt haben oder sich einfach für mich freuen, wenn ich etwas Neues, wie das Buch jetzt zum Beispiel, mache. Also da sind keine Hater, die sagen: „Hey, du strickst erst seit zwei Jahren und machst ein jetzt Buch.“.

maleknitting.de ist mittlerweile eine feste Strickblog-Größe, du machst Veranstaltungen und hast jetzt ein Buch herausgebracht. Was sind deine Ziele für 2015?

Ich möchte gern mehr Männer vorstellen, die stricken. Ich bin ja nicht der einzige und möchte schon gar nicht auf einem Thron sitzen und sagen: „Nur ich und keine anderen“. Daher würde ich gern Interviews mit anderen strickenden Männern machen oder auch Videos umsetzen, in denen man seine Strickprojekte gemeinsam vorstellt. Das wäre toll.

Was sind denn Blogs, die du gern verfolgst?

  • Aus dem DIY-Bereich auf jeden Fall gemachtmitliebe.de. Da geht es nicht nur ums Stricken, sondern generell um viele schöne Dinge.
  • Mein Lieblings-Backblog, auf dem ich so gut wie immer bin, ist backbube.com. Wer die Herzen seiner Mitmenschen erobern möchte, sollte sich die genialen Rezepte hier anschauen.
  • Ansonsten ziehe ich mir vieles aus verschiedenen Subreddits auf reddit.com.

Fällt dir spontan etwas ein, das du in den letzten Tagen im Interweb gesehen und gefeiert hast?

Was mir spontan einfällt, ist die Oma, die bei dieser Überraschungsausgabe von „Wer wird Millionär“ war und die wirklich nicht auf den Mund gefallen war und von Twitter geliebt wurde. Die Tweets hierzu zu lesen, war eine große Freude und hat mir gut gefallen.

Letzte Frage: warum stehst du morgens auf?

Ich denke wegen der Gewissheit, dass, egal wie sehr mir etwas gestern nicht gefallen hat, es heute besser und schöner und einfacher ist.


 

Interview geführt im Februar 2015

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